December 30th, 2009
Keine einfache Situation. So viele Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Eine Finanz- und Wirtschaftskrise, die nur wenige verstehen. Auf beiden Seiten des Atlantiks Wahlen. In Deutschland eine nationalkulturelle Festverdrahtung, die sagt, der Staat ist letztendlich für das Wohlergehen des Volkes – also für die Wirtschaft – zuständig. In den USA eine (noch) andere Festverdrahtung. Der Staat definiert lediglich die Rahmenbedingungen, sorgt für klare und faire Spielregeln. Überlegene Dienstleistungen und Produkte sollen sich auf dem Markt behaupten. Auf beiden Seiten Heuchelei. Wir sind Menschen.
Anscheinend hielt sich GM eine Option offen. Die Deutschen waren überrascht. Politik, Opelaner, Bevölkerung, Medien. Warum die Überraschung? Haben die Amerikaner gelogen? Haben sie getrickst? Waren sie unanständige Unterhändler? Keine rhetorischen Fragen. Ich bin kein Insider, war nicht dabei, habe es in der Presse nicht genau verfolgt. 
Eine komplexe Situation. Vielleicht definieren Amerikaner eine Abmachung anders als die Deutschen. Vielleicht ist das, was in Deutschland als Wortbruch gilt, in den USA erlaubtes Taktieren, gehört zum Verhandlungsgeschick, im Rahmen des Fairplays. Vielleicht änderten sich die grundsätzlichen Parameter kurz vor Vertragsabschluss. Denn eine Abmachung nach amerikanischem Verständnis steht nur bei Vertragsunterschrift fest.
Ich spekuliere. Vielleicht waren die Insider – Politiker, Unternehmer, Gewerkschaftler, auch Medien – nicht überrascht. Vielleicht wagte es keiner zu sagen, dass GM die offen gehaltene und offen ausgesprochene Option noch wahrnehmen könnte. Vielleicht klammerte das Land zu sehr an der einen Option. Manche Politiker wollen Wahlen gewinnen und sich Macht sichern, statt ihr Land zu führen. 
Manche Wähler wollen den sicheren Arbeitsplatz, statt sich über Leistung zu behaupten. Manche Unternehmer wollen Staatshilfen, statt sich im freien Wettbewerb zu behaupten. Manche Medien wollen Leser und Zuschauer behalten, statt ihnen eine ehrliche Einschätzung der Lage zu berichten. Wir sind Menschen.
Wir – Deutsche und Amerikaner – schaden uns so aber. Erwartungen werden hoch gesteckt. Die Ergebnisse enttäuschen. Menschen sind verwirrt, verärgert, sehen in den Anderen die Schuldigen. Keine guten Voraussetzungen für erfolgreiche Zusammenarbeit. Hört sich sicher dramatisch an. 
Aber wenn wir so weiter machen, werden sich die Beziehungen zwischen Deutschen und US-Amerikanern verschlechtern. Es gab auch andere Zeiten, in denen wir uns nicht so gut verstanden haben, gegeneinander waren, uns gegenseitig bekriegten. Beziehungen müssen gepflegt werden. Pflege heißt reden, fragen, antworten, verstehen. Verstehen. Verstehen sich GM und Opel?